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Der Diskussionsbeitrag knüpft an den Artikel von J. Klápště PDF Drucken E-Mail

Der Diskussionsbeitrag knüpft an den Artikel von J. Klápště (2003) in der vorangegangenen Nummer dieser Zeitschrift an. Gegenstand des Interesses sind Fragen in Verbindung mit den Anfängen der Burgen des tschechischen Adels. Für das Burgenstudium wird in der letzten Zeit immer häufiger der Begriff der „Kastellologie“ verwendet, dessen Inhalt freilich nicht genau bestimmt ist. Eine unlängst veröffentlichte Charakteristik besagt, dass die Auffassungen der „Kastellologie“ unterschiedlich sein können, die tschechische zeichnet sich jedoch durch eine komplexe Studienmethodik aus, die in gegenseitiger Kombination Methoden und Arbeitsschritte von eigentlich mehreren Disziplinen verwendet, deren Anwendung sich überschneidet und ergänzt. Unter den Spezialfächern behauptet die Mittelalterarchäologie eine Führungsposition (Durdík 1999, 250).

Wie aus der Polemik von J. Klápště hervorgeht, kann die „Kastellologie“ in der Praxis sehr wesentlich hinter den Theorien und Proklamationen über die Komplexität der applizierten Methoden zurückbleiben. Gerade auf den Seiten eines archäologischen Periodikums musste notwendigerweise erklingen, welcher Gegensatz in der Wirklichkeit existiert, insofern es um die proklamierte Führungsposition der Archäologie in der gegenwärtigen Erforschung der tschechischen Burgen geht. Zahlreiche Arbeiten über die Ergebnisse der Burgenforschung aus ungefähr den letzten drei Jahrzehnten und die nachfolgenden breiteren Bewertungen, besonders die typologische Klassifikation der Burgendispositionen, berufen sich zwar auf die Ergebnisse von archäologischen Forschungen, dabei wurde aber die zugehörige Dokumentation dieser Forschungen nie publiziert. Diese Schuld ist so groß, dass man die Schlussfolgerungen von durchwegs einer Mehrheit der „kastellologischen“ Publikationen nicht unabhängig beurteilen kann (einschließlich der Kompendien der letzten Jahre), die angeblich vor allem von archäologischen Forschungen ausgehen. Das betrifft auch die großen archäologischen Forschungen selbst von so bedeutenden Burgen wie Týřov, Křivoklát und weitere landesfürstliche Sitze im sog. königlichen Jagdforst im Flussgebiet der Berounka. Die hohen Beur teilungen dieser Bauten im Entwicklungskontext der europäischen Burgen wurden dabei mehrmals auch in ausländischen Druckwerken publiziert.

Es muss notwendigerweise konstatiert werden, dass auch weitere Standardmethoden der Forschung unterschätzt werden, besonders das Studium der Schriftquellen, die Siedlungsgeschichte und eine eingehende Baudokumentation der erhaltenen Teile der Burgareale. Die reichlich verwendete Methode der sog. Oberflächenforschung der Burgruinen führt oft zu überzeichneten Schlussfolgerungen, auf denen jedoch breite Theorien aufgebaut werden. Bei einer merklichen Produktion der publizierten Beiträge mit „kastellologischer“ Thematik lässt sich oft schwer unterscheiden, welche Methoden, in welchen gegenseitigen Verbindungen und mit welch beweiskräftigen Ergebnissen bei der Erforschung der einzelnen Burgen appliziert wurden. Eine große Belastung ist auch der oft dogmatische Zugang zur typologischen Klassifikation, die vor einer Reihe von Jahren auf der Grundlage von unzureichenden oder verzeichneten Kenntnissen ausgearbeitet wurde.

Diese Tatsachen spiegeln sich auch merklich in einer Teilproblematik wider, der sich J. Klápště widmete und die der Autor dieses Beitrages weiterentwickelt. Diese Problematik betrifft konkret die Bestimmung des Bauherrn einiger Burgen, die sich an die Anfänge dieses Bautentypus in den böhmischen Ländern ungefähr im 2. und 3. Viertel des 13. Jahrhunderts knüpfen, und die eine unveräußerliche Bedeutung bei der Bewertung der Beziehungsentwicklung zwischen dem Herrscher und dem Adel in dieser wichtigen Zeit haben. Es geht um das Zusammentreffen zweier Meinungen. Während

T. Durdík behauptet, dass zwischen den Dispositionen der königlichen und adeligen Burgen in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts ein diametraler Unterschied bestand, finden J. Klápště und der Autor dieses Beitrages zu dieser strengen Unterteilung keine Belege. Die Prämissen, auf denen T. Durdík seine Behauptungen gründet, entwachsen nachweislich aus unbelegten Vermutungen, tendenziellen Interpretationen einiger Erscheinungen, aus einem Hinwegsehen über sozial- und siedlungsgeschichtliche Zusammenhänge und oft auch aus sehr niedrigen und verzeichneten Kenntnissen von der Bauentwicklung der Burgen, die den angeführten diametralen Unterschied repräsentieren sollen. Die erste behandelte Lokalität ist die Burg Krašov in Westböhmen. Der Burg hat sich bislang am eingehendsten T. Durdík gewidmet, der hier in den Jahren 1970–1971 eine archäologische Teilforschung durchgeführt hat. Nach T. Durdík entstand die Burg schon vor dem Jahre 1232, als in einer Urkunde für das unweite Zisterzienserkloster in Plasy unter den Zeugen ein Theodericus de Crassow genannt ist. Bis zum heutigen Tag kam es jedoch nicht zu einer Publikation der Dokumentation der archäologischen Forschung und wie J. Klápště mitteilt, geht aus der Fundnachricht eine solch frühe Datierung nicht hervor. Gegen eine Identifizierung von Krašov in der Urkunde aus dem Jahre 1232 mit der erhaltenen Burgruine zeugen auch weitere Umstände, besonders die niedrige gesellschaftliche Stellung des Geschlechts von Krašov (Krašovice) und die siedlungsgeschichtlichen Zusammenhänge, die der Autor dieses Artikels analysiert (besonders geht es darum, dass am Anfang der 30. Jahre des 13. Jahrhunderts der Ort, wo sich die Burg Krašov befindet, auf dem den Benediktinerinnen zu St. Georg auf der Prager Burg gehörenden Gebiet liegt, an welches das Territorium der Zisterzienser in Plasy angrenzte). Der Autor kam zum Schluss, dass Krašov aus dem Jahre 1232 am ehesten ein kleiner befestigter Sitz in der Nähe des Dorfes Krašovice ist, während die Burg Krašov (22 km entfernt) durch denselben Adel erst im Verlauf der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet wurde.

Ein anderes Problem stellen die Burgen Vizmburk und Říčany dar, die T. Durdík als „Miniaturen des Typus der Burg mit Randbebauung“ klassifizierte, also eine kleinere Nachahmung der typischen königlichen Disposition. Die Erbauer dieser Burgen waren die in hohen Ämtern am Königshof wirkenden Adelsvertreter, und die genannten Burgen stellen nach T. Durdík den Höhepunkt der adeligen Burgenarchitektur des 13. Jahrhunderts in Böhmen dar, den gerade diese beiden Burgen repräsentieren. J. Klápště erläuterte, dass zu solcher hohen Bewertung keinerlei eindeutige Belege existieren. Es lässt sich hinzufügen, dass Durdíks Bewertung der beiden genannten Burgen von einem dogmatischen Zugang zur Typologie abhängig ist, welche dieser Autor selbst schuf. Man kann nicht von irgendeinem Prototyp einer Königsburg mit Randbebauung sprechen und behaupten, dass gerade von ihm Vizmburk und Říčany abgeleitet wurden. Die Dispositionen der beiden Burgen lassen sich auch auf andere Weise bewerten, die Dispositionsentwicklung von Říčany im 13. Jahrhundert ist überdies unklar. Die Klassifikation der beiden Burgen kann auch nicht durch die unbelegte Behauptung verzeichnet werden, dass sich an ihrer Erbauung die königliche Bauhütte beteiligte.

Eine sehr grundlegende Frage knüpft sich an die Burgen Jindřichův Hradec, Rýzmburk und Lichnice. Alle zeichnen sich durch eine relativ ausgedehnte Disposition mit einer belegten (oder vorausgesetzten) größeren Anzahl an Türmen in den Ecken und durch eine relativ geringe Ausdehnung der Reste der erhaltenen Bebauung aus. T. Durdík verteidigt auf der Grundlage seiner These vom diametralen Unterschied zwischen königlichen und adeligen Burgen beharrlich die Meinung, dass diese drei Burgen ursprünglich als Königsburgen gebaut wurden, aber im Stadium der unvollendeten Realisation des ursprünglichen Vorhabens von Vertretern des bedeutenden Hofadels entfremdet wurden, der Besitzungen in den betreffenden Regionen hatte. Weil sodann dieser Adel so große Burgen nicht mehr benötigte, blieben sie nach T. Durdík eigentlich unvollendet – mit einer auffällig ausgedehnten Befestigung und einer geringen Ausdehnung der Bebauung. Wie J. Klápště aufmerksam machte, übersieht Durdíks Konzeption die siedlungsgeschichtlichen Zusammenhänge, besonders die Tatsache, dass die Schriftquellen belegen, dass die angeführten Burgen inmitten des Familienbesitzes des zugehörigen Adels gegründet wurden. J. Klápště lehnt den „kastellologischen“ Zugang ab, nach dem man den königlichen oder adeligen Bauherrn der Burgen einfach auf der Grundlage einer typologischen Klassifikation ihrer resultierenden Disposition unterscheiden kann. Der Autor dieses Beitrages analysiert die angeführten drei Burgen besonders auf der Grundlage relevanter Erkenntnisse über ihr bauliches Wesen. Er konstatiert, dass T. Durdík bei seinen Schlussfolgerungen nicht von bauhistorischen Untersuchungen der Burgen ausgeht, und a priori an die Bewertung ihrer Dispositionen herantritt. Die Dispositionsentwicklung aller drei Burgen war entweder nachweislich, oder konnte wesentlich komplizierter gewesen sein, als T. Durdík urteilt, und in der Zeit ihrer Entstehung um die Mitte des 13. Jahrhunderts lassen sich bei diesen Dispositionen keine Eigenschaften konstatieren, die T. Durdík für seine Theorien als charakteristisch erachtet. Der Autor des Beitrages macht ferner kurz auf einige weitere Aspekte aufmerksam, die es nötig ist bei einer Beurteilung der Entwicklung der tschechischen Burgen im 13. Jahrhundert zu respektieren. Er legt zum Beispiel auf Faktoren wert, durch die eine flächige Ausdehnung der Burgendispositionen beeinflusst worden sein könnte, ohne dass sich das an den erhaltenen Baurelikten äußern müsste (Geländekonfiguration, Integration der wirtschaftlich geprägten Vorburg in die Befestigung, Burgenbau von Geschwistern oder Verwandten einer einzigen Adelsfamilie).

Zum Schluss erachtet es der Autor als notwendig, einige Tatsachen zu betonen und den folgenden Vorschlag vorzulegen. Eine Oberflächenuntersuchung der Burgen und ihrer Ruinen erbringt nur selten die Möglichkeit, seriös und in der ursprünlichen Abfolge die Bauentwicklung zu bestimmen. Eine Kategorisierung der Dispositionen auf der Grundlage dieser Untersuchungen kann völlig irreführend sein. Vielfach lässt sich auch das relative Alter der Elemente anzweifeln, die auf der Basis eingelebter Stereotype unerschütterlich erscheinen, wie das zum Beispiel der sog. Bergfried ist. In der heutigen Situation, wo dank des vieljährigen Fleisses der „Kastellologen“ beinahe der gesamte erhaltene Burgenbestand in den böhmischen Ländern komplett typologisch eingeteilt ist, wäre eine Revision erforderlich, inwiefern die angenommenen Schlussfolgerungen tragbar sind, auf der Grundlage welcher Methoden und Prämissen sie angenommen wurden, und vor allem was aus ihnen für die Bewertung der Gesamtheit gefolgert wurde. Augenscheinlich ist es nicht gut, dass die „Kastellologie“ verschiedenen Auffassungen haben kann (Durdík 1999, 250), und sich so offenbar auch eine Resignation auf entscheidende Gesichtspunkte und Methoden, sowie ein häufiges Erstarren in Vermutungen erlauben kann. Wenn betont wird, dass zu den Charakteristiken der „tschechischen kastellologischen Schule“ eine Führungsrolle der Mittelalterarchäologie gehört, sollten die Ergebnisse der archäologischen Forschungen in entsprechender Weise der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden (Razím 2002; Klápště 2003). Insofern die „Kastellologie“ keinen genauer festgelegten Inhalt und Arbeitsschritte hat, sollte dieser unbestimmte Begriff nicht übermässig gebraucht werden, wie dem heute ist. Es sollte offenkundig sein, mit welchen allgemein annehmbaren Methoden diese oder jene Burg untersucht wurde, und welche Methoden nicht appliziert wurden. Bei der Publikation vieler Burgen, wie zum Beispiel bei Rýzmburk oder Lichnice, kann man das heute ohne eingehender Nachforschungen nicht erfahren, obwohl gerade diese Lokalitäten als Tragpfeiler der Entwicklungstendenzionen ausgegeben werden. Durch eine Vermengung einer Vielzahl von Bauten, von eingehend erkannten bis zu jenen, deren Bewertung man kaum wenigstens als Hypothese bezeichnen kann, entstehen Konstruktionen, deren Statik man aus Prinzip nicht mehr allzu viel vertrauen kann. An Stelle einer vagen „Kastellologie“ sollten wir die Burgen in Teamarbeit mittels allgemein anerkannter Methoden und Arbeitsschritte der zugehörigen Wissenschaftsdisziplinen erforschen und stets gründlich erwägen, zu welchen Schlussfolgerungen uns das gegenwärtige Maß an Erkenntnis jeder der Lokalitäten berechtigt.

Deutsch von Stefan Scholz

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 09:06 Uhr
 
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